DEEP PURPLE - Konzertnachlese - Wiener Stadthalle 17. Mai 2017

 

Irgendwann ist immer das erste Mal. Jetzt sind DEEP PURPLE schon bald 50 (in Worten: fünfzig - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) Jahre im Geschäft, und dennoch hat sich für den Rezensenten nie die Gelegenheit ergeben, sich bei einem Konzert der Legenden einzufinden.  Musikhistorisch gesehen eigentlich unverzeihlich. Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass DEEP PURPLE ja ohnehin schon seit langem nicht mehr die "Alten" sind, womit man den Hard Rock Ikonen jedoch sträflich Unrecht tun würde.



Mit "inFinite" haben DEEP PURPLE eines ihrer besten, wenn nicht sogar das beste Album ihrer späten Schaffensphase am Start (hier gehts zu unserer Review). Dies, und die Tatsache, dass man sich anschickt, von den Fans langsam Abschied zu nehmen - das Motto der laufenden "The Long Goodbye" Tour sagt eh schon alles - waren für tausende Fans mehr als gute Gründe, an diesem Mittwoch-Abend ihren Weg in die Wiener Stadthalle zu finden.

 

 

Eingeheizt wurde dem zahlreich erschienen Publikum, mit zwar etwas verkleinertem Publikumsbereich (mit Vorhängen verdeckte seitliche Sitzreihen) von den Kanadiern MONSTER TRUCK, die sich schon des Öfteren als Fackelträger schnörkellosen Hard Rocks angedient haben (seht dazu auch unser Interview, welches wir mit Jeremy Widerman und Jon Harvey letztes Jahr geführt haben).

Eröffnet wurde der Reigen vom Hauptakt mit einem, gemessen an unserer Erwartungshaltung, doch etwas überraschend kraftlos vorgetragenen "Time for Bedlam" vom neuen Album. Glücklicherweise zeigten sich Sänger Ian Gillan, wie die gesamte Band übrigens auch, im Zuge fortschreitender Konzertdauer an diesem Abend jedoch in guter Form. Fahrt nahmen Roger Glover & Co erstmals so richtig mit "Strange Kind of Woman" auf. Insbesondere "Birds of Prey" unterstrich, warum die Band auf "inFinite" überdurchschnittlich gutes Songmaterial in der Hinterhand hat. Schade daher, dass die „Betriebstemperatur“ nicht schon beim Opener erreicht werden konnte. Und weil wir gerade beim nörgeln sind: auch das exzellente "All I Got is You" vom neuen Album hätte für unseren Geschmack ruhig einen Platz auf der Setlist ergattern dürfen.

 



Verstärkt wurden DEEP PURPLE an diesem Abend von der in St. Petersburg geborenen österreichischen Star-Geigerin Lidia Baich (einem breiteren Publikum u.a. durch ihre Performance bei der Eröffnung des Finales des Eurovision Song Contests in Wien im Jahr 2015 in Erinnerung geblieben). Baich fand bei "The Surprising" erstmals ihren Weg auf die Bühne und sorgte während des Sets für Wiener "Lokalkolorit". Insbesondere während Don Aireys Keyboardsolos intonierte die Virtuosin auch mal Gassenhauer wie Puccinis "Nessun dorma" oder den "Donauwalzer". Zumindest zu letzterem sei gesagt - warum nicht.


Überhaupt will uns scheinen, dass DEEP PURPLE eine der wenigen Hard Rock Bands dieses Planeten sind (von NIGHTWISH und DREAM THEATER vielleicht einmal abgesehen), bei denen man den Keyboarder auch wirklich hört. Und wie. Don Airey ließ sich nicht lumpen, und spielte seine Mitstreiter stellenweise in Sachen Lautstärke gehörig an die Wand. Was als Gitarrist natürlich gar nicht geht, wie man aus eigener leidvoller Erfahrung aus dem Probekeller zu berichten weiß.

 

 



Während der drei letzten Nummern legte die Band dann nochmal gewaltig nach. Klassiker wie "Perfect Strangers" oder "Space Truckin'" hört man nicht alle Tage live im Original. Die Überraschung des Tages war dann doch tatsächlich, wer hätte es gedacht, "Smoke on the Water" - dem Musikgeschäft-Verbot-Lick-Song schlechthin. Roger Glovers Inbrunst und Leidenschaft - der Mann wird im November 72 Jahre alt! - hätte jedem Mittzwanziger zur Ehre gereicht. Überhaupt sind wir seit diesem Abend fest davon überzeugt, dass der weltweite Siegeszug der Nummer einzig und allein Glovers geilem Bassgroove geschuldet ist.

 

 



Richtig fetzig wurde es dann beim Zugaben Block, der mit "Hush" eingeläutet wurde, und bei dem die Stunde von Gitarrenlichtgestalt STEVE MORSE schlug, der noch einmal richtig brillieren durfte, und sich während des Rausschmeißers "Black Night" ein hörenswertes Duell mit Baich lieferte. Leider blieb das sehnlich erwartete, am Vorabend in Zagreb noch vorgetragene "Highway Star" aus. Dennoch bescherten die Ikonen dem Wiener Publikum einen denkwürdigen Konzert-Abend mit einer tollen, und Dank Lidia Baich sicher nicht alltäglichen Show. Eines der wenigen Konzerte, bei dem der Rezensent noch den Altersdurchschnitt des Publikums gesenkt haben dürfte. So sicher sind wir uns dabei aber dann auch wieder nicht. Na. Egal.

Chapeau!





Setlist vom Wien Konzert am 17. Mai 2017


Time for Bedlam
Fireball
Bloodsucker
Strange Kind of Woman
Johnny's Band
Uncommon Man
The Surprising (mit Lidia Baich)
Lazy
Birds of Prey
Hell to Pay
Keyboard Solo (Don Airey & Lidia Baich)
Perfect Strangers
Space Truckin'
Smoke on the Water

Zugaben:

Hush
Bass Solo
Black Night

 

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