ROCK IN VIENNA 2016 - Konzertbericht

 

Nach der gelungenen Premiere im Jahr 2015, schloss das zweite Rock in Vienna Festival in der österreichischen Bundeshauptstadt an den Erfolg der ersten Veranstaltung reibungslos an, und konnte dabei ein sattes Besucherplus vermelden.

Insgesamt 90.000 Menschen fanden sich an allen drei Tagen zum Festival auf der Donauinsel ein. Auch wenn heuer das Wetter nicht ganz so wie im vorangegangenen Jahr mitspielte, konnte das tolle Line-up für die paar Regentropfen mehr als entschädigen.

Es liegt ja in der Natur solcher Festivals, dass sich das Hauptaugenmerk meist auf die Headliner richtet. Wobei dann oft übersehen wird, welch tolle Acts bereits am frühen Nachmittag ihren Auftritt vor dem heimischen Publikum absolvieren. Bands wie SHINEDOWN oder SLAYER gehen in den USA und Europa auf richtig fette Headliner-Tourneen, während sie beim RiV vergleichsweise sehr früh bereits die Festivalbühnen entern.

Viele Highlights des Festivals spielten sich demzufolge abseits der großen Headliner-Schlagzeilen ab. So absolvierten die sympathischen Kanadier MONSTER TRUCK am Samstag-Nachmittag gegen 16:30 Uhr einen vielbeachteten Auftritt auf der „kleinen“ Jolly Roger Stage. Mit im Gepäck hatten diese ihr brandneues Album "Sittin' Heavy", das nicht nur jenseits des Atlantiks, sondern auch hierzulande großen Anklang findet.

 

Deutlich abzulesen war dies an den zahlreich erschienen Besuchern, die sich bei der Jolly Roger Stage eingefunden hatten und zu Songs wie "Don't Tell Me How to Live" oder "Why Are You Not Rocking?" eben jenes taten – nämlich kräftig abzurocken. Wir durften mit Gitarrist Jeremy Widerman und Sänger und Bassist Jon Harvey ein ausführliches Interview führen, das ihr schon bald an dieser Stelle sehen werdet können.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch der großartige Auftritt der heimischen KONTRUST rund um Gitarrist Mike Wolff auf der Jolly Roger Bühne tags zuvor am Freitag-Nachmittag. Einer Band, der hierzulande leider noch immer nicht die Anerkennung zuteil wird, die sie verdient. Mit mittlerweile vier Alben, inklusive dem 2014 erschienen "Explositive" im Gepäck, konnten KONTRUST vor heimischen Publikum voll überzeugen. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis KONTRUST auch in ihrer Heimat den Sprung auf die große Festivalbühne machen werden.

Der sehnlich erwartete Höhepunkt des ersten Konzerttages war das Konzert der deutschen RAMMSTEIN, die alle in sie gesteckten Erwartungen voll erfüllen konnten. Nicht umsonst war der Freitag laut Veranstalter mit 45.000 Besuchern auch der meistbesuchte Tag des Festivals. Lest im folgenden Abschnitt, was Redakteur Tobi Natter zum Konzert zu sagen hatte.

Feuerprobe für Rammstein am Rock in Vienna (Tobi)

Rammstein und ihre Show sind das, wie ihre Fans für sie sind: Feuer und Flamme. „Links 2, 3, 4“. Im Stechschritt wird militante Deutschtümelei persifliert. Und auch wenn ihre Musik im kantigen Ostinato sich kleidet, Humor kommt bei den Berlinern nicht zu kurz. Nach Rammsteins Stakkato kann man darüber hinaus seine Uhr stellen. Das Uhrwerk arbeitet exakt, die Räder drehen sich, die Zähne greifen ineinander. Der sonische Fatalismus paart sich mit einer eskapistischen Liveperfomance, die einem dystopischen Aktionstheater entsprungen sein könnte. Kostüme, Mikrofone, alles bis ins Detail durch designt. Und weil die Bühne sowieso brennt, ist Sänger Till Lindemann sein eigener Pyrotechniker. Die neue Deutsche Härte hat voll eingeschlagen. Rammsteins Riffs sind erbarmungslos. Lindemanns theatralischer Gesang funktioniert auch live. Auf der Donauinsel gabs die volle Dröhnung. Rammstein sind nicht nur hörens- sondern auch sehenswert. Ihr Auftritt, musikalisch sehr solide, bleibt auch als optische Punzierung in der primären Sehrinde nachhaltig eingebrannt.  Feuerprobe bestanden.



Überhaupt kamen auf dem Festival Freunde des Stoner & Psychedelic-Rock mit Bands wie den schweidschen Kult-Rockern GRAVEYARD voll auf ihre Kosten. Während MANDO DIAO sich einmal mehr als gekonnte Publikums-Animationskünstler entpuppten, lieferten die Schotten aus Ayrshire BIFFY CLYRO ein fetziges Konzert ab. Oft konnte man Simon Neil, James Johnston und Ben Johnston ja bisher noch nicht auf heimischen Bühnen erleben, und so war es für nicht wenige wahrscheinlich das erste Mal, dass sie die Songs des 2014 erschienen "Similiarities" Albums live erleben durften.

Ein wahres Feuerwerk an großen Namen, zumindest was Künstler an der Sechsaitigen betraf, hatte man am dritten und letzten Tag des Festivals aufgeboten. Mit seinem brandneuen Album "Dust" enterte MARK TREMONTI kurz vor 14:00 zunächst noch bei strahlendem Sonnenschein die Soulstage und überzeugte mit einer guten Performance nicht nur auf dem Instrument, sondern auch als Sänger.

Leider spielte das Wetter im weiteren Verlauf, und sehr zum Leidwesen der Zuseher und IN EXTREMO, an diesem Tag nicht ganz so gut mit, wie an den vorangegangenen Tagen. Regen bzw. Gewitter waren jedoch auch schon am Freitag und Samstag vorhergesagt worden, und man war zumindest dankbar, dass dies an diesen beiden Tagen nicht eingetroffen war.

 



Eines der Highlights an diesem Sonntag war der Auftritt der US-Amerikaner SHINEDOWN, die mit ihrem starken Album "Threat to Survival" im Schlepptau ihren zahlreichen heimischen Fans eine wirklich tolle, wenn auch viel zu kurze Show boten. Gitarrist Zach Myers stand uns in einer, im Backstage-Bereich aufgestellten Luftburg! im Anschluss an die energiegeladene Darbietung für ein Interview Rede und Antwort.

ZAKK WYLDE hatten wir im November 2015 schon in der Wiener Arena erleben dürfen. Als gern gesehener Gast auf heimischen Festivals, enttäuschte der Berserker an der sechsaitigen Railgun seine Fans auch dieses Mal nicht. Zwar wurde bei der Auswahl an Songs im Vergleich zum Konzert der BLACK LABEL SOCIETY eher auf ruhigeres Material zurückgegriffen (was an sich nichts Schlechtes ist, ist der Mann doch ungeachtet seiner martialischen Erscheinung ein wahrer Meister der ruhigen Töne). Freunden seines Gitarre-Spiels verpasste der Künstler jedoch vom ersten Song an eine Vollbedienung, die sich gewaschen hatte. Wylde zeigte sich in bester Spiellaune und fiedelte bereits beim ersten Song mit einer Inbrunst, dass sich die Balken bogen.

 


Die darauffolgenden deutschen "Wahl-Rumänen" POWERWOLF zeigten sich als perfekt eingespielte Power-Metal Truppe, die ein show- und spieltechnisch makelloses Set ablieferten (was man übrigens auch vom umjubelten Auftritt von Mille Petrozzas KREATOR sagen konnte).

Von vielen, vielen sehnsüchtig und mit großer Spannung erwartet war der Auftritt der französischen Death & Progressive Metal Band GOJIRA. Mit dem am 17. Juli veröffentlichten neuen Album "Magma" haben sich Joe Duplantier & Co endgültig vom Geheimtipp zum anerkannten Act gemausert, der vermehrt auch Zuspruch von einem breiteren Publikum erfährt. Auffallend wie viel Respekt der Band in Gesprächen mit Konzertbesuchern und Kollegen aus dem Pressebereich entgegengebracht wurde. Wir durften mit Joe an diesem Abend über das neue Album und das Video zu "Silvera" plaudern, und mussten dabei auch unsere Improvisations-Künste nach einem Stromausfall unter Beweis stellen (Stichwort Handyleuchte beim Videointerview!).



Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch NIGHTWISH, die eine hochmotivierte Show ablieferten. Hier wurde sicher nicht Dienst nach Vorschrift gemacht und man merkte der Truppe an, dass sie an diesem Abend richtig Spaß hatten, was vom Publikum wohlwollend goutiert wurde. 



Den krönenden Abschluss dieses Festivalwochenendes bildete schließlich der medial viel zelebrierte Auftritt von IRON MAIDEN, deren Show trotz des Regens (zumindest im ersten Teil des Konzertes) begeisterte Fan-Herzen höher schlagen ließ. Man musste schon die letzten Monate hinterm Mond lebend verbracht haben um dem Getöse rund um den Flugplan von ED FORCE ONE entgangen zu sein.

Vielen Konzertbesuchern war bereits im Vorfeld klar, dass das Hauptaugenmerk des Sets dem im September des vergangenen Jahres erschienen 16ten Studio-Album "Book of Souls" gelten würde. Dass dabei viele der unzähligen Klassiker unter den Tisch fallen würden, davon war auszugehen gewesen, und war für nicht wenige ein veritabler Wermutstropfen. Dass es aber so schlimm nicht sein würde, dafür sorgte eine unglaublich gute Performance von Frontmann BRUCE DICKINSON. Noch nie hatten wir Bruce Dickinson so guter Dinge erlebt. Möglich, dass dies auch dem 64igsten Geburtstag von Sympathieträger Nicko McBrain geschuldet war, für den man kurzerhand ein Ständchen der BEATLES „When I'm Sixty-Four“ anstimmte. 

(Bild oben: Konzertbesucher beim RiV 2016 - Höchstnote fürs Outfit)

 


Zwar brauchte es eine Weile, bis Bruce stimmlich auf Betriebstemperatur kam. Dafür machte die gute Stimmung und die tolle Soundmischung und Bühnenshow alles andere wett. Während Songs wie „Speed of Light“ sich live gut machten, hatte der Titelsong des letzten Albums durchaus auch seine Längen. Dankbar wurden dann Kracher wie „Fear of the Dark“ oder „Iron Maiden“ vom Publikum aufgenommen, während deren Darbietung auch die Zahl der mit Freunden gemachten Selfies und in die Höhe gereckten Smartphones bei einigen Konzertbesuchern wieder in die Höhe schoss. Verabschiedet wurde das Publikum schließlich mit drei Zugaben und dem umjubelten „Wasted Years“, dessen Anfangsriff zum Grundrepertoir eines jeden Gitarristen zählen sollte, und für das wir Adrian Smith auf ewig in höchsten Ehren halten werden.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an den Veranstalter Werner, Josef und seine Crew für drei tolle Tage an großartiger Musik! Bleibt uns nur den Refrain des Rauschmeißers zu zitieren: „Face up... make your stand and realise you're living in the golden years.“ In diesem Sinne ...



Setlist IRON MAIDEN

If Eternity Should Fail
Speed of Light
Children of the Damned
Tears of a Clown
The Red and the Black
The Trooper
Powerslave
Death or Glory
The Book of Souls
Hallowed Be Thy Name
Fear of the Dark
Iron Maiden

Zugaben:
The Number of the Beast
Blood Brothers
Wasted Years

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save