ALEX MACHACEK "FAT"

 

Fusion on Steroids. Man schwelgt ja eher ungern in Superlativen. Vor allem diverse Postillen aus dem vornehmlich englischsprachigen Raum tendieren ja oftmals dazu, viel zu überschwänglich über die eine oder andere Veröffentlichung zu berichten. Was der in Tulln geborene ALEX MACHACEK aber mit seinem im September 2012 erschienen Album "FAT" abgeliefert hat, verdient das Prädikat „herausragend“.

MACHACEK hat am Wiener Konservatorium und am Berklee College of Music in Boston Jazzgitarre studiert und lebt mittlerweile in den Vereinigten Staaten, wo er am Musicians Institute in Los Angeles arbeitet. Der 1972 geborene Jazz- und Fusion-Gitarrist ist spätestens seit dem Erscheinen von „FAT“ und einem Interview im amerikanischen Guitar Player Magazin auf der internationalen Jazzbühne kein Unbekannter mehr.

„FAT“ ist das mittlerweile siebte Album nach dem im Jahre 2010 erschienen „24 Tales“. Und es ist sein bisher bestes. Als Anspieltipps seien der Opener „Why Not?", das vertrackte „Safe Word“ oder das geniale „D-Lite“ genannt - Ausfälle gibt es keine zu verzeichnen.

Es wäre für MACHACEK ein Leichtes gewesen, sich in den USA bei der Creme de la Creme dort ansässiger Studiomusiker zu bedienen. Hat er aber nicht gemacht, sondern sich die beiden Österreicher Raphael Preuschl  und Helmut Pirker geschnappt, die - so viel steht fest - auf absolutem Weltklasse Niveau agieren. Ausgezeichnete Wahl. Zeigt es doch einmal mehr, dass man nicht über den großen Teich fahren muss, um Spitzen-Musiker zu hören. Nicht umsonst steht der Albumtitel "FAT" für "Fabulous Austrian Trio". Wahrlich keine Übertreibung.

Lob für den tollen Sound hat MACHACEK übrigens von höchster Stelle bekommen. Niemand Geringerer als Allan HOLDSWORTH soll sich erkundigt haben, wie MACHACEK die tolle Produktion hinbekommen hat. Das hat natürlich auch GUITARMANIA interessiert. Lest deshalb schon bald mehr dazu in unserem Interview mit Alex, das in Bälde an dieser Stelle erscheinen wird.
 
Tolle Sounds, ansprechende Kompositionen und inspirierte Improvisationen: Machacek, Preuschl und Pirker harmonieren, dass es eine wahre Freude ist. Selten so packende Fusion und Jazzlinien gehört, die vor Frische und Lebendigkeit nur so sprühen. „FAT“ gehört für uns unter die Top drei Gitarren-Jazzalben des vergangenen Jahres. Kaufen!

 5.0 von 5.0 Punkten


Erscheinungsdatum: 17. September 2012
Label: Abstract Logix (Fenn Music)

Tracklist:

1. Why Not? (Aka Disco Polka)
2. What A Time To Be Me
3. Safe Word
4. Compromising Evidence
5. Tone Portrait
6. D-Lite
7. The Life Of Herbert P.
8. Studio Swing
9. Let's Not Argue
10. Fyi

www.alexmachacek.com

STEVE LUKATHER "Transition"

 

Review erschienen im Jahr 2013.

 

Nach dem bärenstarken Hammeralbum "All's Well That Ends Well" waren die Erwartungen hoch gesteckt. War doch das Release aus dem Jahre 2010 eines der besten Alben des Saitenvirtuosen. Und, soviel vorweg, das Warten hat sich gelohnt. Mit "Transition" ist STEVE LUKATHER erneut ein hochkarätiges Album geglückt.


"Transition" hat im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger wieder etwas mehr Pop-Schlagseite, kann aber mit einigen aussergewöhnlichen Kompositionen aufwarten. Ob Opener "Judgement Day", oder Balladen („Right the Wrong“ und „Last Man Standing“) - die Musik geht unter die Haut. Sehen kann sich auch diesmal wieder die Besetzungsliste, angefangen mit Lee Sklar am Bass (CROSBY, STILL, NASH & YOUNG), Schlagzeuger Chad Smith (RED HOT CHILI PEPPERS, CHICKEN FOOT), Phil Collen (DEF LEPPARD), oder, noch eine Basser-Legende, Nathan East.

 

Auf „Right The Wrong“ spielt uebrigens Lukathers Sohn Trevor am Anfang die Gitarrenlinie. Am meisten überzeugen kann LUKATHER immer dann, wenn er seine Fusionlicks auspackt, und eindrucksvoll seine Meisterschaft als Komponist ausgefuchster Fusionnummern unter Beweis stellt. Es verwundert daher nicht, dass das Titelstück einer der stärksten Tracks der Langrille geworden ist.

 

Wir ziehen den Hut vor STEVE LUKATHER, dem es immer wieder gelingt, ein starkes Album nach dem anderen abzuliefern. Zwar gefiel uns der Vorgänger noch einen Tick besser, aber nichtsdestotrotz ist "Transition" wieder ein einprägsames Statement geworden. Starkes Album mit vielen tollen Songs und inspirierten Gitarrenparts! Feine Sache.

 

Erscheinungsdatum: 18. Januar 2013
Label: Mascot Records (rough trade)
 
Tracklist:
 
1. Judgement Day 7:16 
2. Creep Motel 5:46  
3. Once Again 4:57   
4. Right The Wrong 6:20  
5. Transition 5:32   
6. Last Man Standing 5:20   
7. Do I Stand Alone 4:10   
8. Rest Of The World 4:01   
9. Smile

Save

ROBBEN FORD “Bringing it Back Home“




 

Review erschienen im Februar 2013.

 

Weniger ist mehr. Das hat sich auch ROBBEN FORD gedacht, dessen erste Solo-Studioplatte seit dem im Jahre 2007 erschienen „Truth“ einen, sagen wir mal, auf den ersten Höreindruck hin eher ‚sparsamen‘ Eindruck hinterlässt.

 

Äußerst entspannt setzt “Bringing it Back Home“ über den Atlantik. Knapp drei Jahre nach dem RENEGADE CREATION Output mit Michael Landau, Jimmy Haslip, Gary Novak, hat FORD (wieder) den Schonwaschgang angeworfen. Überraschungen wird man hier vergeblich suchen. 

 

Auf “Bringing it Back Home“ zollt FORD seinen New Orleans' R&B Einflüssen Tribut. Überwiegend wurden Cover Versionen eingespielt. So zum Beispiel Charley Patton's "Bird's Nest Bound", Bob Dylan's "Most Likely You Go Your Way" oder Allen Toussaint's "Everything I Do Gonna Be Funky". Eines der stärksten Stücke auf dem Album ist jedoch eine Eigenkomposition, nämlich das mit seiner Frau komponierte "Oh Virginia".


Eingespielt wurde das Album gemeinsam mit Harvey Mason am Schlagzeug und dem Bassisten David Piltch. Steve Baxter's Bläsereinsätze ringen vielen Nummern interessante Klangvariationen ab. Besonders hervorzuheben ist auch Organist Larry Goldings, dessen Orgelsound der Platte eine äußerst geschmackvolle Note verpasst.

 

Equipment technisch wurde FORD auf seiner Suche nach einem hölzernen, schlichten Ton im Stile von LONNIE JOHNSON bei einer 1963iger Epiphone Riviera fündig. Diese Gitarre kam FORDs Aussagen zufolge auf allen Songs des Albums zum Einsatz.


Gewohnt souverän, ist man geneigt zu sagen. Auch wenn man all diejenigen gut verstehen kann, die sich wünschen würden, dass FORD den Nachbrenner zündet und mal so richtig à la BONAMASSA abrockt. Das ist sein Ding aber nicht. “Bringing it Back Home“ wird seinen Platz in den Plattensammlungen mehr als behaupten können. Dass FORD in die Schule von MILES DAVIS gegangen ist, kann dieser nicht verleugnen. Der Mann versteht es, der Musik Raum zum Atmen zu geben. ROBBEN FORD ist und bleibt einer der ganz Großen seines Fachs.

 

Allen Interessierten (und Smartphone bzw. Tablet Besitzern) sei übrigens ein Besuch im App Store empfohlen: dort gibt es nämlich eine auf knapp 100 Minuten runtergekochte ROBBEN FORD Masterclass seines „Blues Revolution“ Kurses um knapp 9 Euronen zu erwerben.



 

 

Erscheinungsdatum: 15. Februar 2013
Label: Mascot Records (rough trade)

Tracklist:

1. Everything I Do Gonna Be Funky    
2. Birds Nest Bound    
3. Fair Child    
4. Oh, Virginia    
5. Slick Capers Blues    
6. On That Morning    
7. Traveler's Waltz    
8. Most Likely You Go Your Way And I'll Go Mine    
9. Trick Bag    
10. Fool's Paradise

robbenford.com

 

PAUL GILBERT "Vibrato"

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit uns PAUL GILBERT immer wieder neue Soloalben präsentiert. Von den einen als typischer 80iger Jahre Shredder verteufelt, den man schon zu RACER X Zeiten in die Frickelfinger Mottenkiste verbannt hatte. Von den anderen als MR. BIG Sideman abgefeiert, der mit "To Be With You" in den Kommerzhimmel aufgestiegen ist. Wer Gilberts Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt hat, staunt ob der musikalischen Reife nicht schlecht, die das im Jahre 1966 geborene Ausnahmetalent aus Illinois mittlerweile an den Tag legt. Über mangelndes Selbstbewusstsein musste sich Gilbert ja nie beschweren, verlangte er doch im zarten Alter von 15 Jahren von Mike Varney (Shred-Papst und Shrapnel Records Gründer) ihm doch bitte eine Audition bei OZZY OYBOURNE zu verschaffen. Die Demokassette dafür schickte er gleich mit. Aus dem Job bei Ozzy ist dann zwar nichts geworden, aber als Gitarrenhero und -lehrer in der Gitarrenabteilung (G.I.T.) des Musicians Institute, einer renommierten Musikhochschule in Los Angeles, hat er international trotzdem Furore gemacht.

War das Vorgänger Album "Fuzz Universe" aus dem Jahre 2010 beileibe kein schlechtes (Instrumental-) Album, so vermag das nun vorliegende "Vibrato" gehörig zu überraschen - und, soviel vorweg - auf der ganzen Linie zu überzeugen. Solo Album Nummer 16, veröffentlicht im Oktober 2012, legt dabei eindrucksvoll Zeugnis von einem musikalischen Wandel ab. Die auf "Fuzz Universe" bereits angedeuteten Klänge finden hier noch weiter ihre Ausformung. Mal glaubt man sich an FRANK ZAPPA erinnert (Opener), mal betritt er, metaphorisch gesprochen, den Jazz-Konzertsaal, wie zum Beispiel bei seiner Interpretation von DAVE BRUBECKs "Blue Rondo a la Turk".

Sehen kann sich auch diesmal wieder die Besetzung. Neben Gilberts Ehefrau Emi Gilbert an den Keyboards, sorgt Kelly Lemieux für das Bassfundament. Am Schlagzeug der gebürtige Wiener Thomas Lang, dessen Referenzliste mittlerweile atemberaubende Dimensionen angenommen hat.

Durch die Bank ziehen sich mal modernere, aber vor allem durch die Bank tolle Retro-Sounds. Als Anspieltipps seien genannt: der Opener "Enemies (In Jail)", bei dem Gilbert einmal mehr seinen Sinn für Humor beweist, der Titeltrack "Vibrato", oder das fetzige „Put in on the Char“ das mit tollen Fuzz Sounds glänzt.

Die letzten drei Nummern sind Live Nummern. Aufgenommen auf der letzten Tour. Angefangen vom YES Klassiker "Roundabout", der old school Willie Dixon Nummer "I want to be loved", sowie das AC/DC Cover "Go Down". Allesamt nett anzuhören, aber insgeheim hätte man sich gewünscht, dass ein paar neue Kompositionen mehr ihren Weg auf die Scheibe gefunden hätten.

Fazit: Rock, Blues und ein Hauch von Jazz - alles nicht zu ernst genommen und immer mit einer Prise Humor versehen. Ob PAUL GILBERT mit "Vibrato" auch Nicht-Gitarristen ansprechen wird können, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. "Vibrato" ist mit Sicherheit aber eine der besten Soloplatten des Ausnahmetalents. Bravo!

4.0 von 5 Punkten

(first published on Stormbringer.at)

JOE SATRIANI "Surfing with the Alien"

Review erstmalig erschienen im Jahr 2013.


 

Schneller, höher, weiter! Wir schreiben das Jahr 1987. Am Metal-Firmament wetterleuchten WHITESNAKEs"1987" und DEF LEPPARDs "Hysteria". Aus dem Radio trällern "Walk like an Egyptian" und MADONNAs "La Isla Bonita". Im Kino läuft, wir erinnern uns mit Schaudern, "Dirty Dancing".

 

Und dann, man war gerade dabei MICHAEL JACKSONs "Bad" zu verarbeiten, knallt JOE SATRIANI dem Freund der sechsaitigen Gitarrenkunst ein Hammer-Album vor den Latz, dass sich die Balken biegen. Bis dato nur ein Silberstreif am Gitarren-Horizont, durchbricht "Satch" mit "Surfing with the Alien" - gewissermaßen aus dem Stand - die Schallmauer.



In der Musikszene von San Francisco war der Name Satriani längst Programm, zählten doch in den frühen 80igern keine Geringeren als Kirk Hammett (METALLICA), Larry "Ler" LaLonde (POSESSED und später PRIMUS), Alex Skolnick (TESTAMENT), und Steve Vai (FRANK ZAPPA, DAVID LEE ROTH) zu seinen Schülern. Zuvor hatte Satch im Jahr 1985 eine EP "Joe Satriani" (Auflage 500 Stück) veröffentlicht. So richtig hellhörig wurden Aficionados feiner Gitarrenkunst aber erst bei seinem Debut "Not of this Earth" im Jahr darauf. Die Schatten des Debuts waren groß. Manche Kritiker zweifelten, ob Satch den hohen Erwartungen beim zweiten Album gerecht werden könne. Doch als das Werk im Oktober auf die Ladentische der Plattenläden knallte, war mit einem Schlag klar wo der Hammer hängt, ähem, ... wer hier das schnellste Board reitet. Mit "SwtA" gelang es Satriani als erstem Rockgitarristen mit einem Instrumentalalbum die "Billboard Top 200 US-Charts" zu knacken. Immerhin, Patz 29!

 

 

Gleich bei den ersten drei Songs brettert Satriani im Tieflug über den Hörer hinweg: "Surfing with the Alien", "Ice 9" und "Crushing Day" ... erst bei "Always with Me, Always with You" kommt man erstmalig zum durchatmen. "Satch" packt auf "SwtA" dabei so ziemlich alles aus, was das Arsenal sechsaitiger Handwerkskunst so hergibt: Blues-Licks on Steroids, furioses Tapping, halsbrecherische Legato Läufe, abgefahrene Whammy Bar Dives ... Der eine oder andere Einsatz des Schlagzeugcomputers sei Satch im Nachhinein verziehen.


Bereits nach dem ersten Durchlauf konnte man mit gutem Gewissen sagen: "SwtA" würde das Musik-Universum hofnungsvoller Saitenhexer nachhaltig erschüttern. Produziert von Joe Satriani und John Cuniberti, überzeugt vor allem die stilistische Bandbreite des Albums. Neben Up-Tempo Krachern wie "Surfing with the Alien" oder "Satch Boogie", featured das Album auch exotisch anmutende Tracks wie "Crushing Day" und "Lords of Karma". Melodiöse und ruhigere Nummern wie "Always with Me, Always with You" und "Echo" sorgen für die nötige Abwechslung und zeigen einmal mehr Satrianis Ausnahmetalent nicht nur als Musiker, sondern auch als Komponist. Erwähnenswert auch "Midnight", das mit seiner Tapping-Technik einen leichten Touch von lateinamerikanischem Flair vermittelt.

 

Interessantes Detail am Rande: das Cover stammt aus der ersten "Silver Surfer" Ausgabe aus dem Jahre 1982. Angeblich wurde John Byrne, der Zeichner, weder gefragt, ob das Bild verwendet werden dürfte, noch hat er angeblich jemals Tantiemen dafür gesehen. In den Liner Notes zum Album ist jedoch ein "Marvel Characters, Inc. - Copyright" angeführt, was wohl impliziert, dass das Bild mit Erlaubnis des Verlags verwendet wurde ... Fest steht jedenfalls, dass hier Musik und Artwork perfekt miteinander harmonieren und sicher den einen oder anderen auf den ansonsten eher sperrigen Marvel-Superhelden aufmerksam gemacht haben.



Auch mehr als zwanzig Jahre nach der ersten Veröffentlichung beeindruckt, bei aller technischen Rafinesse, noch immer Satrianis Musikalität. Heute unvorstellbar, erfreuten sich Songs wie "Satch Boogie", "Always with Me, Always with You", zumindest in den USA beständigen Airplays im Radio. Selbst hartgesottene Verweigerer sechsaitiger Shredkunst - hat hier jemand Mike Varney gesagt? - nahmen vorzugsweise die ersten drei Songs gerne in ihre Playlists mit auf. Dabei war "StwA" beileibe nicht das erste Instrumental-Rockgitarren Album, aber es war mit Sicherheit das Erste, welches das Genre einem breiteren Publikum zugänglich machte.

 

 

Fans des Albums sei vor allem die 20th Anniversary Epic/Legacy Edition aus dem Jahre 2007 ans Herz gelegt. Das Remastering kommt gut und haut bei dem einen oder anderen Song nochmal ordentlich den Nachbrenner rein. Als Schmankerl gibts dann noch eine DVD mit einem Auftritt beim Montreux Jazz Festival aus dem Jahr 1988, aufgenommen in den frühen Morgenstunden, mit Stu Hamm am Bass und Jonathan Mover an den Drums. Ach, selige Achtziger, wie wir eure Modeperlen und die (volle) Haarpracht vermissen ...!

 

So gesehen war 1987 ein gutes Jahr ... Wers nicht glaubt: 1987 prügelten sich Mel Gibson und Danny Glover in "Lethal Weapon" , gerne erinnern wir uns, erstmalig durch LA ...

(first published on Darkscene.at)