QUEENS OF THE STONE AGE "Villains"



 

Spätestens seit den schwebenden Klangminitiaturen der beiden "Stranger Things" Soundtrackverantwortlichen Kyle Dixon und Michael Stein katapultieren analoge Achtzigerjahre Synthesizer Skulpturen den durch realpolitische Entwicklungen phasenversetzten Hörer in eine erschreckend albtraumhafte Parallelwelt, die nun auch QUEENS OF THE STONE AGE zu bevölkern gelernt haben.


Es spricht für Mastermind Josh Homme und seine Mitstreiter, dass man nicht versucht hat, auf Nummer sicher zu gehen, und an die teils bahnbrechenden Erfolge vorangegangener Alben anzuschließen, sondern musikalisch durchaus gewillt ist, neue Wege zu gehen. Die Verpflichtung von Mark "Mr Uptown Funk" Ronson (AMY WINEHOUSE, LADY GAGA) als Produzent des Albums belegt, dass QUEENS OF THE STONE AGE wie eh und jeh subversiver Aktivitäten verdächtig sind, und vom Vorwurf der kommerziellen Anbiederung Abstand genommen werden muss.


Zum Verhör zitiert, gestehen Josh Homme & Co im Stechschritt marschierende Zylonen-Zenturionen der ersten Baureihe („Domesticated Animals“), vakuumverpackte Staccatoschnipsel und nach Luft schnappende Kompressoren („Feet don’t Fail Me“), radiotaugliche Fuzz-Gitarren („The Evil Has Landed“), und an tanzbare EAGLES OF DEATHMETAL-Rhythmen erinnernden Hüftschwung-Boogie („The Way You Used to Do“, „Hideaway“).


Wo "Villains" dereinst einmal in der noch zu schreibendenen Besten-Liste der Band-Diskografie zu liegen kommen wird, wagen wir nicht zu sagen. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass das neue Songmaterial wie geschaffen für die Live-Darbietung ist. Was sich herumgesprochen haben dürfte, wie man an der beachtlichen Zahl der bereits ausverkauften Konzerte der kommenden Europatour ablesen kann. Am 5. November zu Gast in Wien.



Erscheinungsdatum: 25. August 2017
Label: Matador/Beggars Group (Indigo)

Tracklist
   
1. Feet Don't Fail Me
2. The Way You Used To Do
3. Domesticated Animals
4. Fortress
5. Head Like A Haunted House
6. Un-Reborn Again
7. Hideaway
8. The Evil Has Landed
9. Villains Of Circumstance

http://qotsa.com/

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GREG HOWE "Wheelhouse"





Erst im Oktober 2016 hatten Fans des 1963 geborenen Virtuosen die Gelegenheit, den US-amerikanischen Gitarristen auf heimischen Bühnen live zu erleben - wenn auch „nur“ als Sideman des nicht minder genialen STU HAMM, der diesen für seine Solotournee verpflichtet hatte (seht dazu auch unser ausführliches Interview, das wir mit Greg bei dieser Gelegenheit geführt haben oben).



Seit jeher haftet Howe der Ruf eines „Unsung Hero“ der Gitarrenmusik an. Zählt der in New York City geborene Musiker doch zu den mit Abstand besten, die je von Gitarrenpapst Mike Varney entdeckt wurden. Nach dem leider nur von mäßigem Erfolg gekrönten musikalischen Ausflug mit seiner 2012 gegründeten Band MARAGOLD meldet sich GREG HOWE nach fast zehn! Jahren wieder mit einem Soloalbum zurück.



Musikalisch schlägt „Wheelhouse“ nicht von ungefähr in die gleiche Kerbe wie sein von Kritikern und Hörern gleichermaßen hochgelobter Vorgänger „Sound Proof“ aus dem Jahr 2008. Nummern wie „2 in 1“ stehen dabei exemplarisch für musikalische Hakenschläge, die bei vielen anderen wohl in unsanften Bruchlandungen münden würden, bei Howe jedoch den Auftrieb selten geschlossener Logik verspüren. Ob funky Opener  („Tempest Pulse“), jazzig, rhythmisch komplex („Push On“) oder  hochvirtuos  („Throw Down“) – Howes Spiel sprüht nur so vor rockiger Attitüde. Auf „Shady Lane“ gibt sich RICHIE KOTZEN an den Vocals und der Gitarre ein Stelldichein, und führt dabei die Tradition gemeinsamer Projekte der beiden Shrapnel-Alumni („Tilt“ 1995; „Project“ 1997) weiter. 



„Wheelhouse“ zeigt einen ungemein befreit aufspielenden Musiker, der uns ein erfrischend unverkrampftes Solowerk kredenzt. „Wheelhouse“ ist auch dieses Mal wieder ein Rock-Fusion-Feuerwerk für Fans ohne musikalische Berührungsängste geworden. Wie kaum ein anderer Gitarrist versteht es Howe, Jazz, Funk und Rock in einzigartiger Weise zu transzendieren. Eine Inspiration für versierte wie angehende Gitarristen gleichermaßen. Bravo!

 



Erscheinungsdatum 1. September 2017
Label: Bad Racket

Tracklist

1. Tempest Pulse
2. 2 in 1
3. Throw Down
4. Landslide
5. Key to Open
6. Push On
7. Let It Slip
8. I Wonder
9. Shady Lane (feat. Richie Kotzen)

www.greghowe.com

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TINARIWEN "Elvan"

 



Gitarre einmal anders. Ein treuer musikalischer Begleiter war uns auf Reisen in den letzten Monaten das jüngste Meisterwerk "Elwan" der Tuareg-Musiker TINARIWEN. Die Band rund um Mastermind und Gitarrist Ibrahim Ag Alhabib gehört einer Generation des Wüstenvolkes an, die aus der Sahelzone in die Städte nördlich der Sahara flüchten musste, weil die Dürre die Lebensgrundlagen ihrer Heimat  zerstört hat.



Gesungen wird in Tamaschek und auf Französisch. Der Bandname bedeutet dem Vernehmen nach so viel wie "leerer Ort", und ist eine Anspielung auf den kargen Lebensraum der Tuareg. Auf die außergewöhnliche Geschichte der Band einzugehen würde den Rahmen des hier möglichen sprengen, es lohnt aber, sich deren Geschichte entlang politischer Verwerfungslinien einmal näher anzusehen.



TINARIWEN gelten als erste Band, die elektrische Gitarren in ihren traditionellen Musikstil eingebunden haben. „Elwan“ packt den Hörer vom ersten Ton an: hypnotisch und mit psychedelischen Elementen in verträglichen Dosen, breiten die Musiker einen einzigartigen rhythmischen und harmonischen Klangteppich aus, der seinen Reiz umso stärker entfaltet, je länger man sich auf die Musik einlässt.


Unvergleichlich, neu, und erfrischend musizieren TINARIWEN in einem für „westliche“ Ohren ungewohnten Klangraum. Ag Alhabib legt viel Wert auf die rhythmische Komponente seiner Gitarrenarbeit, vermeidet Soloeskapaden, und übernimmt dabei traditionelle, auf der Zupflaute "tahardent" und der Streichlaute "imzad" gespielte Melodien in seinen Stil.

 

Live-Aufnahmen eingerechnet, markiert "Elwan" die bereits neunte Veröffentlichung von TINARIWEN. Eine bereichernde Entdeckung.







Erscheinungstermin: 10. Februar 2017
Label: Wedge

Tracklist

1. Tiwàyyen
2. Sastanàqqàm
3. Nizzagh Ijbal
4. Hayati
5. Ittus
6. Ténéré Tàqqàl
7. Imidiwàn n‐àkall‐in
8. Talyat
9. Assàwt
10. Arhegh ad annàgh
11. Nànnuflày
12. Fog Edaghàn (flute intro)
13. Fog Edaghàn

http://tinariwen.com/

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Mr. BIG "Defying Gravity"



Ganz schön was los, in diesem Sommer. Ob die neue ALICE COOPER, STONE SOUR oder eben Mr. BIG's "Defying Gravity" - was nach einem eher mauen Jahr ausgesehen hat, nimmt langsam Fahrt auf.



Eingespielt an nur sechs Tagen, zeigt sich die Supergroup hochmotiviert und geeint, wie schon lange nicht mehr. Was wohl auch der Parkinson-Krankheit von Schlagzeuger Pat Torpey geschuldet ist, mit der sehr offensiv umgegangen wird.


Mr. BIG haben sich auf ihrem Studioalbum Nummer neun ordentlich reingekniet. Tracks wie "Defying Gravity" überzeugen durch Ohrwurmcharakter, warten mit astreinen Instrumental-Einlagen auf, und vermitteln wieder diese einzigartige Atmosphäre, die die Band seit ihrem Debut im Jahre 1989, und vor allem seit ihrem Charterfolg aus dem Jahr 1992 so besonders macht. Insbesondere Nummern wie "Everybody Needs a Little Trouble", und das galoppierende "Mean to Be" versprühen den Charme der Anfangsjahre, und das nicht nur,  weil die Herren Gilbert und Sheehan so leichtfüßig musizieren, sondern auch wegen der Erkenntnis, dass ein guter Song letztendlich mit dem Refrain steht und fällt. Selbstverständlich fehlt auch eine Kuschelrock-Ballade mit astreinem "Schubidu" Chorus ("Damn I'm in Love Again") nicht - man weiß schließlich, was man sich und seinen Fans schuldig ist.


Natürlich kann man Paul Gilbert und Billy Sheehan jetzt unterstellen, ihre Licks in "arroganter Nonchalance" aus dem Ärmel zu schütteln, wie dies erst unlängst eine renommierte Hartwurst-Postille in ihrer Plattenkritik gemacht hat. Aus dem Blickwinkel eines Nicht-Musikers vielleicht sogar verständlich. Dennoch halten sich die beiden Ausnahmekünstler auch auf dem neuesten Werk für unsere Begriffe fast schon vornehm zurück. Wir reden hier immerhin von zwei der herausragendsten Flitzefinger, die das Hard Rock-Universum zu bieten hat.


Am Ende des Tages stellt sich die Frage, ob ein neues Album nach der ersten Phase des Hörens auch in Zukunft auf der Playlist reanimiert werden wird, und hier hat "Defying Gravity" (sehr) gute Karten. Und das vor allem wegen der Songs. Womit eigentlich alles gesagt ist. Reinhören und abheben!


Erscheinungsdatum: 21. Juli 2017
Label: Frontiers Music s.r.l

1. Open Your Eyes
2. Defying Gravity
3. Everybody Needs a Little Trouble
4. Damn I'm in Love Again
5. Mean to Me
6. Nothing Bad (Bout Feeling Good)
7. Forever and Back
8. She's All Coming Back to Me Now
9. 1992
10. Nothing at All   
11. Be Kind

www.mrbigsite.com

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MARTY FRIEDMAN "Wall of Sound"

 

 

 

 

 

Schwer zu glauben, dass MARTY FRIEDMANs Ausstieg bei MEGADETH nun auch schon bald 18 Jahre zurückliegt. Erst kürzlich verlautete der Saitenhexer, dass er es hassen würde, ein Shredder genannt zu werden. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass Friedman mit seinen neoklassischen Sechzehntel-Eskapaden Ende der Achtziger einen nicht unbeträchtlichen Anteil an einer wahren Flut an Nachahmern und der evolutionären Bedeutungsaufladung des Begriffes hatte. Anfang der Neunziger fragte man einen Grunger besser nicht, was er von Shrapnel Records hielt.

Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Friedmans letztes Solowerk „Inferno“ hat immerhin auch schon drei Jahre auf dem Buckel. Für Soloalbum Nummer dreizehn hat sich Friedman viel Zeit genommen. So viel, dass es sich eigenen Aussagen zufolge für ihn anfühlt, als habe er mit "Wall of Sound" ein neues „Debut“-Album eingespielt. Eine Art Wiedergeburt also.

Auf dem Schlagzeugschemel haben Anup Sastry und Gregg Bissonette Platz genommen. Für die Bassparts zeichnet die japanische Musikerin Kiyoshi verantwortlich (es ist durchaus Wert, sich ihr Solowerk einmal näher anzusehen). Produziert hat „Wall of Sound“ Friedman höchstpersönlich selbst, dabei aber auch auf die tontechnischen Künste von Paul Fig (GHOST, RUSH, ALICE IN CHAINS) zurückgegriffen. Gemischt wurde das Album von Jens Bogren (OPETH, KATATONIA) und QUEEN Produzent Mack. Bei so viel Könnern kein Wunder also, dass sich die CD soundtechnisch perfekt ausbalanciert präsentiert.

Man hört, dass Friedman sich dieses Mal merklich Mühe gegeben hat, Melodien in den Vordergrund zu stellen. Bei aller technischen Raffinesse ist ihm dabei durchaus der Spagat zwischen Fingerfertigkeits-Kabinettstücken und gefühlvollem Spiel gelungen. Die stärksten Momente hat "Wall of Sound" jedoch immer dann, wenn proggig und vertrackt abgerockt wird, so wie beispielsweise beim Opener „Self Pollution“, dem entfernt an ANIMALS AS LEADERS Großtaten erinnernden "Whiteworm", oder dem genialen "Pussy Ghost". Auf letzterem hat übrigens Shiv Mehra, der Gitarrist von DEAFHEAVEN mitgewirkt.

Überhaupt geben sich auf "Wall of Sound" wieder zahlreiche Gastmusiker die Klinke in die Hand. So hat SHINING Mastermind Jorgen Munkeby die Vocals zu „Something to Fight“ beigesteuert, und für ein kurzes Zwischenspiel auch wieder zum Sax gegriffen. BLACK VEIL BRIDES Gitarrist Jinxx zeigt indes auf "Sorrow and Madness" welch guter Violinist er ist.

Marty Friedman darf, kann, ja MUSS auf dem Griffbrett abjagen, was das Zeug hält. "Wall of Sound" ist bei jeglicher Griffbrett-Artistik der technischen Selbstdarstellung (fast, wir drücken beide Augen zu) unverdächtig, und wartet mit ausgefeilten Kompositionen auf, die sich in ihrer Komplexität erst nach mehrmaligem Hören erschließen wollen. So gefällt uns das. Starkes Album, bei dem man ein Blues-Lick - auch mit Opas Lupe - nicht finden wird. Jetzt hoffen wir nur, dass sich ein Promoter findet, der den Wahl-Japaner für ein Konzert in heimische Gefilde holt. 非常によく!

 

 

 

Erscheinungsdatum: 4. August 2017
Label: Prosthetic Records

Tracklist

1. Self Pollution
2. Sorrow and Madness (feat. Jinxx of Black Veil Brides)
3. Streetlight   
4. Whiteworm
5. For A Friend   
6. Pussy Ghost (feat. Shiv Mehra of Deafheaven)
7. The Blackest Rose   
8. Something to Fight (feat. Jorgen Munkeby of Shining)
9. The Soldier   
10. Miracle    
11. The Last Lament

www.martyfriedman.com

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