ERIC JOHNSON "Europe Live"




 
ERIC JOHNSON gehört zur seltenen und erlesenen Kategorie jener Gitarristen, dessen Spiel schon nach wenigen Takten einwandfrei mit dessen Namen assoziieren werden kann. In den letzten Jahren konnte Johnson, der von ERIC CLAPTON im Jahre 2004 durch eine Einladung zum Crossroads Guitar Festival geadelt wurde, des Öfteren auf der „Experience Hendrix Tour“ jenseits des Atlantiks bewundert werden.



„Europe Live“ ist das mittlerweile vierte Live-Dokument des im Jahre 1954 geborenen Gitarristen aus Austin, Texas. Wobei seit „Live from Austin TX“ auch schon wieder fast zehn Jahre vergangen sind. Aufgezeichnet wurde während Johnsons letzter Europa-Tour unter anderem im Amsterdamer Melkweg, der Kantine Köln, der Zeche Bochum, sowie dem berühmten New Morning in Paris, in dem schon Mike Stern, Larry Carlton oder Robben Ford aufgenommen haben.


Die 14 Tracks auf „Europe Live“ bieten dabei eine repräsentative Auswahl an Songs aus Johnsons Backkatalog.  Mit "Evinrude Fever" hat es sogar ein neuer Song aufs Album geschafft, ein, wie Johnson selbst sagt Rock ’n’ Roll Jam, der von seiner Vorliebe fürs Wasserski fahren und Segeln inspiriert wurde. Gefallen können des weiteren seine Gesangs-Nummern, so wie beispielsweise seine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Austin, sowie JOHN COLTRANEs “Mr. P.C.”.


Wir sind auch froh, dass es auch wieder „Cliffs of Dover“ aufs Album geschafft hat, für das er im Jahr 1992 den Grammy für „Best Rock Instrumental Performance“ eingeheimst hat. Ist doch der Meister, wenn man seinen Aussagen in einem unlängst erschienen Interview Glauben schenken darf, nicht unbedingt erpicht darauf, die Nummer auch jedes Mal auf die Setlist zu setzen. Alles in allem eine gelungene Zusammenstellung, bei der sich das ganze Album gut in einem Rutsch durchhören lässt.



Noch ein Wort zum verwendeten Equipment: Johnson eilt ja der Ruf voraus, den Unterschied beim Einsatz verschiedener Batterien in seinen Bodenpedalen heraushören zu können. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit widmet der Mann seinem Equipment und der Tonformung. Verwendet hat Johnson auf den Aufnahmen Deluxe Reverbs anstatt der sonst üblichen Fender Twins, und einen 18-Watt Fulton Webb-Amp, den er über ein 50-Watt Marshall Topteil und Marshall Boxen gespielt hat.



Fazit: Nach dem enttäuschenden „Up Close-Another Look“, bei dem „Austin“ noch mit Abstand der beste Track war, hat der Mann aus Texas wieder ein starkes Album abgeliefert. Sound und Songauswahl sind top. Johnson führt eine feine Klinge, und ist eher zurückhaltend in seinem Spiel, was sicher auch auf dessen ausgereifte Legato-Technik zurückzuführen ist. „Europe Live“ bietet jetzt nichts weltbewegend Neues. Wer bereits das eine oder andere Live Album des Meisters zu Hause hat, sollte vorher vielleicht mal reinhören, ob er wirklich noch ein weiteres braucht. Für alle Neulinge ist der Silberling aber der perfekte Einstieg in das Wirken dieses so außergewöhnlichen Künstlers.
 


Erscheinungsdatum: 20. Juni 2014
Label: Mascot Label Group (rough trade)
 
1. Intro    
2. Zenland    
3. Austin    
4. Forty Mile Town    
5. Mr. P.C.    
6. Manhattan    
7. Zap    
8. Song For Life    
9. Fatdaddy    
10. Last House On The Block    
11. Interlude    
12. Cliffs Of Dover    
13. Evinrude Fever    
14. Sun Reprise
 
www.ericjohnson.com/

MARTY FRIEDMAN "Inferno" vs. GUS G "I Am The Fire"

 

 

 

Shred-Alarm! MARTY FRIEDMAN und GUS G waren erst kürzlich gemeinsam im Zuge der „Guitar Universe 2014“ Europatournee auf der Bühne zu bewundern. Leider machte diese einen weiten Bogen um die Alpenrepublik. Mit dabei hatte ein jeder sein neues Solo-Album. Für uns ein Grund, sich beide Alben einmal genauer anzuhören. Verfolgen doch beide Künstler nicht zuletzt mittels zahlreicher Auftritte von Gastmusikern ähnliche Ansätze, um ihre Musik unter die Leute zu bringen.
 


 

Fast drei Jahre sind seit MARTY FRIEDMANs letzter CD "Tokyo Jukebox 2" aus dem Jahre 2011 verstrichen. Unvergessen die Zeiten, in denen Friedman mit JASON BECKER unter dem Namen CACOPHONY erschienen Alben "Speed Metal Symphony" (1987) und "Go Off !" (1988) Shred-Geschichte geschrieben hat.

Mit "Inferno" liegt uns nun der neue Longplayer des in Japan lebenden Musikers vor. Aufgenommen wurde „Inferno“ in L.A. von Chris Rakestraw (CHILDREN OF BODOM, DANZIG). Am Mischer saß Jens Bogren (OPETH, AMON AMARTH). Die raue Note merkt man dem Album von der ersten bis zur letzten Note an. So eine Breitseite hätten wir nicht erwartet. Das Album geizt dabei, wie könnte es auch anders sein, nicht mit Hochgeschwindigkeitsläufen, und technischen Kabinettstücken, die jedem Gitarristen die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Als Gastmusiker konnte Friedman Saitenakrobaten wie Alexi Laiho (CHILDREN OF BODOM), REVOCATION-Sechssaiter David Davidson, Jorgen Munkeby von SHINING, oder das Flamenco-Metal-Akustik-Duo Rodrigo Y Gabriela gewinnen.


Friedman macht auf schweißtreibenden Tracks, so wie zum Beispiel „Meat Hook“, mit seinem genial progressiven Saxofon Einlagen, dem Opener „Inferno“, oder dem von DANKO JONES eingesungenen „I Can’t Relax“, keine Gefangenen.


Die Langrille ist ein starkes Statement eines Gitarristen, der mit diesem Album eigenen Aussagen zufolge seine künstlerischen Grenzen ausloten wollte. Und so klingt es auch.

 




Etwas eingängiger geht es hingegen auf GUS Gs „I Am The Fire“ zu. Während Ozzy Osbourne gerade mit BLACK SABBATH einen zweiten Frühling durchlebt, ließ sich sein Gitarrist nicht lumpen, und packte seine Kreativenergie in ein saustarkes Soloalbum, das mit einer ansehnlichen Liste an Gaststars auftrumpfen kann, so zum Beispiel Mats Levén (CANDLEMASS, ex-YNGWIE MALMSTEEN/THERION), Michael Starr (STEEL PANTHER), Jeff Scott Soto (ex-JOURNEY, TRANS-SIBERIAN-ORCHESTRA), Tom S. Englund (EVERGREY), oder Billy Sheehan sind nur einige der Stars, die der Grieche um sich scharen konnte.

 

 



Besonders gefallen können die von Mats Leven eingesungenen Songs, allen voran der Opener „My Will Be Done“, das eines der stärksten Soli der Platte zu bieten hat, und das fetzige „Blame It On Me“. Mit letzterem und der Single „I Am the Fire“ hat GUS G sogar kleine Hits am Start.



Fazit: Schwer zu sagen, wer von den beiden dieses Jahr den Preis für das Album des Jahres mit den meisten Sechzehntel Noten abräumen wird. Wahrscheinlich geht die Trophäe nach Japan. Beide sind jedenfalls gelungene Statements absoluter Ausnahme-könner, deren technische Fähigkeiten jenseits des Atlantiks gerne mit dem Attribut "jaw-dropping" versehen werden. Schlussendlich zählen aber immer die Songs, und da haben beide einige gute Pfeile im Köcher. Während GUS G mit den eingängigeren Kompositionen aufwarten kann, hat MARTY FRIEDMAN wohl das progressivere Album am Start. Wie so oft Geschmackssache. Am besten man kauft sie beide.

 

 

MARTY FRIEDMAN "Inferno"

Erscheinungsdatum: 23. Mai 2014
Label: Metal Blade (Sony Music)

1. Inferno    5:42   
2. Resin    4:37   
3. Wicked Panacea    3:03   
4. Steroidhead    3:17   
5. I Can't Relax    3:15   
6. Meat Hook    3:36   
7. Hyper Doom    1:54   
8. Sociopaths    6:13   
9. Lycanthrope    4:03   
10. Undertow    4:21   
11. Horrors    6:49   
12. Inferno (Reprise)    1:56

http://www.martyfriedman.com

 

GUS G "I Am The Fire"

Erscheinungsdatum: 14. März 2014
Label: Century Media (Universal Music)

1. My Will Be Done [feat. Mats Leven]    3:14   
2. Blame It On Me [feat. Mats Leven]     3:22
3. I Am The Fire    3:14   
4. Vengeance [feat. David Ellefson]    4:25
5. Long Way Down [feat. Alexia Rodriguez]    3:01   
6. Just Can't Let Go [feat. Jacob Bunton]    3:58   
7. Terrified [feat. Billy Sheehan]    3:13     
8. Eyes Wide Open [feat. Mats Leven]    4:18
9. Redemption [feat. Michael Starr]    4:14   
10. Summer Days [feat. Jeff Scott Soto]    3:47   
11. Dreamkeeper [feat. Tom S. Englund]    4:44   
12. End Of The Line [feat. Mats Leven]

http://www.gusgofficial.com/

JOHN MAYALL "A Special Life"



 

 

Alle die am 21. Februar anläßlich des Wien Konzertes von JOHN MAYALL Zeuge seiner top eingespielten Truppe wurden können bezeugen, dass hier eine Legende in Höchstform aufspielte. So voll hatten wir das Porgy & Bess seit Jahren nicht mehr erlebt. Angeblich waren an die 800 Besucher an diesem Abend im Club. Mit im Gepäck hatte die Band auch Songs ihres neuen Albums “A Special Life”. Und jetzt, endlich, nach langer Wartezeit, wurde das neue Album ganz offiziell auch in Europa am 23. Mai veröffentlicht.

 

Wir nutzten an jenem Abend auch die Möglichkeit, ein Interview mit der Legende des Paten des British-Blues zu machen. Ein Interview mit JOHN MAYALL macht man nicht alle Tage. John hatte sich etwas verspätet, und sah das Interview, zumindest empfanden wir es anfangs so, als eher lästige Angelegenheit. Kein Wunder, stand doch auch noch der Soundcheck an. Zum Glück änderte sich aber des Meisters Stimmung recht schnell. Und so hatten wir Gelegenheit mit John über seine 80th Anniversary Tour, seine vormaligen Mitstreiter Eric Clapton, Peter Green oder Buddy Whittington, sowie sein neues Album „A Special Life“ zu plaudern (zum Interview mit John geht es hier).


John spielt den Blues wie kein anderer. Die Aufnahmen auf „A Special Life“ strotzen vor Spielfreude und Energie.  Neben Blues Klassikern, wie zum Beispiel ALBERT KINGs „Floodin' in California“, gibt es auch neue Songs aus Johns Feder („World Gone Crazy”, „Heartache“, „A Special Life“) zu vermelden. Darüber hinaus haben auch seine Band-Mitglieder Greg Rzab und Rocky Athas einen Track beigesteuert
(„Like A Fool“). Weitere Musiker auf dem Album sind C.J. Chenier, der mit seinem Akkordeonspiel und Gesang dem Opener „Why did you go last night“ und der Nummer „I Just Got to Know“ eine ganz eigene Note verleiht. Gefallen kann insbesondere Johns Mann an der Lead Gitarre ROCKY ATHAS, der mit seinem edlen Spiel und fettem Ton schon live auf der Bühne zu begeistern vermochte. Unbedingt bei SONNY LANDRETHs Nummer „Speak of the Devil“ reinhören, um zu wissen, was wir meinen (mit Rocky konnten wir übrigens auch ein Interview führen, das schon bald an dieser Stelle erscheinen wird).



Produziert wurde das Album von John Mayall. Co-produziert und gemischt wurde die Langrille - Johns erstes Studioalbum seit fünf Jahren - von Eric Corne.



Fazit: Eine CD ohne wirkliche Ausfälle gibt es nicht oft zu vermelden. Mit solch einem Knalleralbum des Elder Statesman of Blues hätten wir so, und in dieser Form, nicht gerechnet. JOHN MAYALL hat mit „A Special Life“ einen Höhepunkt seines Spätwerks abgeliefert. Genau was wir hören wollten – Hut ab!

 

Erscheinungsdatum:  23. Mai 2014
Label: Forty Below Records (rough trade)


1. Why Did You Go Last Night    4:54   
2. Speak of the Devil       3:26   
3. That's All Right    3:19   
4. World Gone Crazy        4:15
5. Floodin' in California    4:37   
6. Big Town Playboy       4:19   
7. A Special Life    4:10
8. I Just Got to Know       4:08   
9. Heartache    4:48   
10. Like a Fool       4:03   
11. Just a Memory    6:39

www.johnmayall.com

MESA BOOGIE Recto Verb 25 Topteil Test mit HANS PLATZ

 

 

Und hier ist er, unser erster Equipmenttest. HANS PLATZ hat das neue MESA BOOGIE Recto Verb 25 Topteil mit den dazugehörenden 1x12" Boxen (in deutscher Sprache) auf Herz und Nieren geprüft. Seht selbst, was dabei rausgekommen ist. Vergesst nicht, in das neue "Timestamps" Album von Hans reinzuhören. Mehr dazu unter: www.hansplatz.de

For the English version, please follow the "read more" link and scroll down.

Read more: MESA BOOGIE Recto Verb 25 Topteil Test mit HANS PLATZ

HARALD WEINKUM „ÜberThree“

 



Ein ganzes Album im ¾ Takt gehalten? So etwas kann doch nur einem Österreicher einfallen, wird sich manch einer denken. Und genau das ist auch das Schöne an „ÜberThree“, dass sich HARALD WEINKUM der österreichischen Musikkultur besinnt, und dieser dabei einen modernen Anstrich verpasst.

„ÜberThree“ heißt die dritte Solo CD des 1968 in Wien geborenen Bassisten HARALD WEINKUM. Seinen eigenen Aussagen zufolge gibt es in der Geschichte der Jazzmusik nur drei Alben, die durchgehend im ¾ Takt eingespielt worden sind. Eines der anderen beiden ist dabei Weinkums Debut “A Bass Bolero” aus dem Jahre 2007.

Auf der Besetzungsliste finden sich auch dieses Mal wieder Vertreter der Crème de la Crème heimischer und internationaler Musiker wie MIKE STERN, DAVE WECKL, FRANK GAMBALE, THOMAS LANG, oder der österreichsiche Fusion-Gitarrist GERALD GRADWOHL, mit dem Weinkum auch immer wieder gemeinsam tourt.

Highlights sind dabei Weinkums geniale Adaption von Johann Strauss’s „An der schönen blauen Donau“, aus dem dieser kurzerhand einen Salsa gemacht hat, und die Nummer „Herrgott“ (im Original: „Wenn der Hergott net will“ von Ernst Arnold), bei dem GERALD GRADWOHL einmal mehr beweist, zu welch genialem Phrasing er imstande ist. 

Dass Weinkum auch ein toller Komponist ist, beweisen Nummern wie „Morgenstern“ und „12 Stern “. Auf beiden verneigt sich Weinkum nicht nur vor Mike Stern, sondern auch vor Arnold Schönberg und seiner Zwöfltonmusik.


Darüber hinaus bietet „ÜberThree“ auch tolle Interpretationen von Jazz Standards wie CHICK COREA’s „Got A Match?“ oder PEE WEE ELLIS’s „The Chicken“. Letzterer war von Weinkums ¾ Arrangement übrigens so angetan, dass er sich spontan erklärte, seine Nummer im neuen Taktgewand einzustudieren, und auf der Aufnahme auch gleich mitzuspielen. Mehr dazu lest ihr in unserem Interview, das wir mit Harald führen durften hier.

Fazit: HARALD WEINKUM haucht angestaubten Traditionen auf  „ÜberThree“ neues Leben ein. Seine Wahl des ¾ Takts, die Salsa Adaption des Donauwalzers, und die Verwendung von Zwölftonmelodien sind dabei absolute Alleinstellungsmerkmale. Ein starkes Album, dass sich seinen Platz in der Plattensammlung schon jetzt auf Dauer gesichert hat. Unterstützen und kaufen. Mehr davon!

Erscheinungsjahr: 2013
Label: Eigenverlag

1. Morgenstern        7:08   
2. Teresa        5:58   
3. Asturias    2:13   
4. Miller 64    6:11
5. Amazing Grace 3:49
6. Got a Match? 6:18   
7. 12Stern        8:36   
8. The Chicken v.3.4.2   5:31   
9. Herrgott  7:56
10. Danubio Azul 8:19
11. Abendstern    6:21   
12. Lullaby and Goodnight 5:18   

 

http://hweinkum.wix.com/hweinkum