H.E.a.T "Tearing Down the Walls"








Whatever happened to songwriting? Diese Frage stellt sich angesichts der unglaublichen Flut an Veröffentlichungen bei neun von zehn Fällen mit erstaunlicher Regelmäßigkeit immer wieder. Fette Soli, fetzige Riffs, oder amtliche Licks gibt es zuhauf, aber wirkliche Songs mit Hitpotential, die sich in der Erinnerung festsetzen, sind Mangelware. Umso erfreulicher, wenn sich Bands in den Vordergrund spielen, die nicht nur durch handwerkliches Können, sondern auch mit starken Kompositionen zu begeistern vermögen. H.E.a.T aus der 37.000 Einwohner zählenden Stadt Upplands Väsby in Schweden sind so ein Fall.

 



"Tearing Down the Walls" ist das mittlerweile vierte Studioalbum der im Jahre 2007 gegründeten Glam Metal Band. Hatte der im Jahre 2012 erschiene Vorgänger „Address the Nation“ schon gewaltig eingeschlagen, so setzt der neue Longplayer nochmal eins drauf.  Die Truppe um Erik Grönwall (Vocals), Eric Rivers(Gitarre), Jona Tee (Keyboards), Jimmy Jay (Bass) und Crash (Schlagzeug) hat auch diesmal wieder alles richtig gemacht.



Es ist eine Freude, das Album in einem Rutsch durchzuhören. Daran hat auch der perfekte Sound von Produzent Tobias Lindell maßgeblichen Anteil.

Allen voran knallen die neue Band-Hymne „A Shot At Redemption“, das mit seinem Mitgrölpotential gewaltig nach vorne treibende „Inferno“, oder das eingängige „Enemy in Me“ mächtig rein. Ganz toll die Arbeit von Eric Rivers an der Gitarre, der sich mit seinem Spiel immer in den Dienst der Sache stellt, aber auch richtig geil auf der Klampfe abjagen, und mit songdienlichen und melodischen Soli, so wie beispielsweise beim Opener „Point of No Return“, überzeugen kann.




Fazit: Endlich wieder ein starkes Arena Rock Album mit richtig Klasse Songs. Fans von FOREIGNER, JOURNEY oder WHITESNAKE werden frohlocken. Würde mich nicht wundern, wenn H.E.a.T 2014 in der Glam Rock Bestenliste ganz oben landen würden. "Tearing Down the Walls" zu toppen wird nämlich sehr, sehr schwer. Volle Punktezahl!


Erscheinungsdatum: 11. April 2014
Label: Edel:Records (Edel)

1. Point of No Return    5:16   
2. A Shot At Redemption    3:50   
3. Inferno    3:45   
4. The Wreckoning    1:02   
5. Tearing Down the Walls    3:33   
6. Mannequin Show    3:43   
7. We Will Never Die       3:50   
8. Emergency      4:11   
9. All the Nights     4:08   
10. Eye for an Eye    3:41     
11. Enemy in Me    3:37   
12. Laughing At Tomorrow     4:25

www.heatsweden.com

ROBBEN FORD "A Day in Nashville"

 





Nicht wenigen Musikern dürfte die Aussicht, ein ganzes Album an nur einem Studiotag aufnehmen (zu müssen) die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Welche Meisterschaft dies verlangt, wissen all diejenigen, die schon mal endlose Stunden verzweifelt damit verbracht haben, die perfekte Spur aufs Band zu bannen.



Dass das, wenn man ROBBEN FORD heißt, gehörig Spass machen kann, und für dieses Unterfangen absolute Vollprofis um sich scharen kann, beweist "A Day in Nashville". Und so finden sich unter der mitwirkenden Starbesetzung beispielsweise Musiker wie JASON ISBELLs Bassist Brian Allen, STINGs Schlagzeuger Wes Little und Gitarrist Audley Freed (GOV'T MULE und THE BLACK CROWES).


 

Fords eigenen Aussagen zufolge ist “A Day In Nashville” der Versuch vorausgegangen, aus den Mitschnitten einiger Live-Shows in Deutschland ein Live Album zu zimmern. Da Ford aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, entschied man sich, ein „normales“ Album während einer Marathon Session im Kreise eines erlauchten Publikums live in Nashville aufzunehmen. Das gelungene Ergebnis halten wir in Händen.

 


Die neun Tracks verströmen eine entspannte, aber nichtsdestotrotz intensive Atmosphäre.  Allen voran das groovige „Ain't Drinkin' Beer No More”, der eingängige Opener „Green Grass, Rainwater“, das balladeske „Different People“, oder das atmosphärische „Cut You Loose“. Einer der Hauptakteure ist auch diesmal wieder Fords 1966er Epiphone Riviera  Gitarre, die bereits auf „Bringing It Back Home“ zum Einsatz kam.

 


Hier wird das Rad nicht neu erfunden. All jene, die auf spektakuläre Einlagen gehofft hatten, werden wohl, wie auch beim Vorgänger, vermutlich enttäuscht sein. Dafür wird man mit soliden, stimmigen Songs belohnt, die einmal mehr die Meisterschaft des Musikers belegen.


“A Day In Nashville” ist eines der besten ROBBEN FORD Alben seit langem, und überzeugt mit durchwegs guten Songs. Das Album orientiert sich an der Tradition des Genres, und kann dieser sehr interessante Facetten abgewinnen. “A Day In Nashville” ist runtergekochte Blues-Essenz, ohne viel Schnickschnack, und mit Blick fürs Wesentliche.

 


Erscheinungsdatum: 31. Januar  2014
Label: Mascot Label Group (rough trade)


Tracklist

1. Green Grass, Rainwater 4:06              
2. Midnight Comes Too Soon 4:57         
3. Ain't Drinkin' Beer No More 5:21       
4. Top Down Blues 5:12              
5. Different People 4:12             
6. Cut You Loose 6:11  
7. Poor Kelly Blues 4:10
8. Thump And Bump 6:13          
9. Just Another Country Road 3:46

www.robbenford.com

BLACK LABEL SOCIETY „Catacombs of the Black Vatican“




Kaum zu glauben, dass es bereits zwanzig Jahre her ist, seit Zack Wylde 1994 sein erstes Solowerk PRIDE and GLORY  veröffentlicht hat. Und mittlerweile auch schon wieder vier Jahre sind seit dem letzten regulären Studioalbum der BLACK LABEL SOCIETY „Order of the Black“ ins Land gezogen.



Seitdem hat sich nicht nur das Personenkarrussell einmal gründlich gedreht. Neu in der Formation ist Dario Lorina, der Wyldes langjährigen Weggefährten Nick Catanese an der zweiten Gitarre ersetzt hat. Am Schlagzeugschemel hat Chad Szeliga Platz genommen. Das, und Wyldes neuer Lebenstil – musste dieser doch aufgrund eines Blutgerinnsels seinen Alkoholkonsum einstellen - haben der Musik offensichtlich gutgetan. Bei einer neuen Plattenfirma ist man ganz nebenbei auch noch gelandet.

 

Interessant, dass die Platte in diversen Monatswertungen einschlägiger Magazine vollkomen unterschiedlich abgeschnitten hat: landete sie beispielsweise bei einem Ranking eines renommierten Magazins an vorderster Stelle, stank das Album bei einem anderen Fanzine wieder gewaltig ab. Allein diese Tatsache zeigt, dass der vorliegende Silberling die Geister zu scheiden vermag.


Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich bei „Catacombs of the Black Vatican“ nicht etwa um feuchte Kellergewölbe unterhalb des Petersdoms, sondern um Zakk Wyldes Studio, welches den Titel Black Vatican trägt. Und ebendort wurde die nun vorliegende neue Langrille auch eingespielt. Statt Bier in Strömen gab es Zack Wyldes „Valhalla Java“ Kaffee, den dieser auch über die Band Website vertreibt.



Ging man bei „Order of the Black“ noch – sagen wir – etwas brachialer zuwege, so kann die neue Platte durch interessante Spannungsbögen begeistern.

 

„Catacombs of the Black Vatican“ erinnert teils frappant an diverse Grunge Produkte aus Zeiten in denen ALICE IN CHAINS und PEARL JAM noch die Charts bevölkerten. Doch keine Angst. Auch wenn die Balladendichte auf der neuen Scheibe hoch ist, ist die Gitarrenarbeit wie immer allererste Sahne. Mit dem Opener „Fields of Unforgiveness“, dem genialen „My Dying Time“ und dem nach vorne treibenden „Damn the Flood“ kann man auch wieder amtliche Rocker vermelden. Und „Angel of Mercy“ ist jetzt wirklich eine tolle Rock-Ballade geworden. Mit Gänsehautfaktor.

 


Fazit: Alles da, was Zack Wyldes Spiel so charakteristisch macht: Pinch Harmonics, gute Nummern, und fette Soli. Die neuen Töne des Rock-Rabauken können durch die Bank weg gefallen. „Catacombs of the Black Vatican“ macht richtig Lust, die neuen Songs auch Live zu erleben. Was für ein Glück, dass die Tournee mit dem diesjährigen NOVA ROCK Festival zusammenfällt. Am 15. Juni auf den Pannonia Fields in Nickelsdorf!



Erscheinungsdatum: 4. April 2014
Label: Mascot Label Group (rough trade)

1. Fields Of Unforgiveness    
2. My Dying Time    
3. Believe    
4. Angel Of Mercy    
5. Heart Of Darkness    
6. Beyond The Down    
7. Scars    
8. Damn The Flood    
9. I've Gone Away    
10. Empty Promises    
11. Shades Of Gray

http://blacklabelsociety.com/home/

SCORPIONS „Love at First Sting“




 



Wir schreiben das Jahr 1984 und ein Song schreibt Rock- und Metalgeschichte. Mit Superlativen ist bekanntlich behutsam umzugehen, im Falle von "Rock You Like A Hurricane" wird allerdings in keinster Weise übertrieben! Über einen Song viel zu schreiben, den jeder kennt, ist fast schon müßig, jeder Rock-affine Mensch muß ihn lieben, geht gar nicht anders. Zu toppen sind jene magischen Momente, in denen man einen solch unsterblichen Klassiker der Metalgeschichte zum ersten Mal hört, nur mehr durch die Verknüpfung von besonderen persönlichen Erinnerungen mit diesen akustischen Ausnahmeerscheinungen. Bei mir war dies zuletzt der Fall, als Rudolf Schenker den Eröffnungsriff jenes Songs in der eisig kalten Tiroler Bergwelt des Spezialkonzerts im Winter-Mekka Ischgl (zum Livereport) anstimmte. Ein agiler Rockstar, dessen schneidige Klänge aus der scheinbar mit ihm verwachsenen Flying V sich in jener sternenklaren Nacht an den schroffen Felsen der Alpen brachen.


 
Der Song fand sich (nach dem langzeitigen Live-Klassiker und Rhythmus-Rocker "Bad Boys Running Wild") auf dem zweiten Startplatz des 1984 erschienenen Erfolgsalbums "Love At First Sting", das die Hannoveraner nach den beileibe nicht schlechten Vorgängeralben endgültig unsterblich machen sollte. Weltweite Mammuttourneen, Platinerfolge und die Genugtuung, als (erste) deutsche Band den Durchbruch in den US of A geschafft zu haben, waren nur eine logische Folge dieses Ausnahmealbums.
 




Das melodiöse "I´m Leaving You" betonte die sensiblere Seite der Band, der ruhige Intropart von "Coming Home" leitet in ein weiteres unvergessliches Stück über, das auch heute noch gern live gespielt wird! Das Album besticht durch das tighte Rhythmusfundament der Herren Rarebell und Buchholz, auf dem das Gitarrentandem Matthias Jabs und Bandleader Rudolf Schenker ihre Six-String-Eskapaden vollführen konnten, wobei das Album (neben den starken Soloteilen) vor allem von der Rhythmusgitarre Schenkers getragen wird, welche eine perfekte Symbiose mit Jabs´ Leadgitarre eingeht. Maßgeblich für den Erfolg mitverantwortlich war natürlich Klaus Meine, der Mann mit der großen Stimme. Man mag denken, was man will, den "kleinen Deutschen" merkt man in der Akzentuierung des Englischen, jedoch ist der ein wenig näselnde Ausnahmesänger ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der SCORPIONS, und verpasste im Gesamtkontext diesem Kracheralbum seine ganz besondere Note.

 



 
"The Same Thrill", "As Soon As The Good Times Roll" und das mit Marschgetrommel unterlegte, im Vergleich zum Rest (der inhaltlich durchfeierte Nächte, das Rockstarleben und die Gefühle dem weiblichen Geschlecht gegenüber behandelte) ernstere "Crossfire" sind beileibe keine schlechten Songs, treten jedoch gegenüber den genannten Stücken oder auch dem Mitbrüller "Big City Nights" ein wenig in den Schatten, was aber die Ausnahmequalitäten dieser Titel zeigt.


 
Ganz am Ende des Albums findet sich noch DER Schmachtfetzen überhaupt, zu dem wohl Zigmillionen Musikfans schon ihre Gefühle gefunden bzw. erfahren haben. "Still Loving You" ist eine der Metal-Power-Balladen überhaupt, ohne den ein einschlägiger Sampler gar nicht auskommen kann. Ein derart intensiver und geschmeidiger Liebessong mußte - ebenso wie "Hurricane" - einfach in die Annalen der Musikhistorie eingehen, schwer Rock 'n' Roll Hall Of Fame-verdächtig!





 


Auf Tonträger festgehalten, dokumentiert das auf der dazugehörigen Tour mitgeschnittene "World Wide Live" (1985) all diese Riesenerfolge und ist eines meiner meistgehörten Alben überhaupt. Welchen Status die Band damals in den Staaten hatte, zeigen etwa illustre Supportbands wie etwa BON JOVI.


 
Die in den Siebzigern gegründeten SCORPIONS befanden sich in jenen Tagen am Zenit ihrer Rock- und Metalkarriere, welchen sie allerdings noch lange Zeit prolongieren konnten, bevor ihnen Glasnost und Perestroika einen wahren Welthit bescheren sollte und die Band noch über lange Zeit präsent hielt.



Eingetütet in ein wieder sexuell konnotiertes Albumcover, das jedoch um einiges geschmack- und sinnvoller als etwa "Animal Magnetism" oder "Lovedrive" ausgefallen war, allerdings gegen das Vorgängeralbum mit Helnwein´s "Blackout"-Motiv abstank (aber songtechnisch mit dem Titelsong, "Can´t Live Without You" oder "Dynamite" kräftig vorlegte), ist dieser Klassiker, der dieser Tage sein 30jähriges Veröffentlichungsjubiläum feiert, fast ausnahmslos vollgepackt mit Weltklassenummern und zurecht ein riesiger Erfolgsbaustein in der Bandgeschichte und ein Meilenstein der Rockmusik überhaupt.


Erscheinungsdatum: 4. Mai 1984
Label: Island / Mercury

1. Bad Boys Running Wild
2. Rock You Like A Hurricane
3. I'm Leaving You
4. Coming Home
5. The Same Thrill
6. Big City Nights
7. As Soon As The Good Times Roll
8. Crossfire
9. Still Loving You

 

www.the-scorpions.com

ACHILLEAS DIAMANTIS “Loaded”




Etwas Feines ist uns da mit “Loaded” des griechischen Gitarristen ACHILLEAS DIAMANTIS  ins Haus geflattert. In Griechenland ist der Mann seit Jahren ein gefragter Sessiongitarrist, und hat mit unzähligen griechischen Musikstars bereits die Bühne geteilt. Seinen Abschluss hat der Musiker 1992 am MI-Musicians Institute in Hollywood gemacht, und dabei auch einige Kurse am GIT mit namhaften Genre-Größen besucht. Erst kürzlich hat er gemeinsam mit seinem Bruder ein eigenes Studio eröffnet, bei dem auch gleich das 2013 erschiene Album produziert wurde.

 

Vom kompositorischen Ansatz kann Achilleas den Einfluss eines JOE SATRIANI nicht leugnen, was sich in den melodischen Songs positiv bemerkbar macht. Begeistern können vor allem die geilen Soli, bei denen Achilleas’ Background als versierter Fusiongitarrist durchschlägt. Mit seiner Band “Confusion” hat der Gitarrist bereits vier CDs in diesem Genre herausgebracht. Anspieltipps? Das flotte „Fake Face“ mit seinem durchschlagendem Riffing, das fetzige „Big Hearted Love“, bei dem im Solo auch mal der Einfluss eines ALLAN HOLDSWORTH durchschimmert, und die letzte Nummer „Leave Me Alone“, bei der herrlich abgerockt wird.



Fazit: Mit “Achilleas Diamantis Loaded” halten wir wieder einmal ein reines Gitarrenalbum alter Schule in Händen. ACHILLEAS DIAMANTIS hat gründlich darauf geachtet, für ein Gitarreninstrumentalalbum ausgewogene Kompositionen zusammenzustellen. Shredalarm muss daher keiner gegeben werden. Fans von GARY MOORE, JEFF BECK  und JOE SATRIANI werden hier auf ihre Kosten kommen. Unbedingt auch mal bei CONFUSIONs „Enter Alone“ reinhören!

 

Erscheinungsdatum: 12. Dezember 2013
Label: Achilleas Diamantis (Eigenverlag)

Tracklist

1. Fake Face        
2. Give Me a Sign        
3. Heavy Weapon        
4. Big Hearted Love        
5. It Hurts to Want You        
6. Blue Stone        
7. Just for You        
8. Leave Me Alone        
9. Diastims    

www.achilleasdiamantis.com

https://www.cdbaby.com/cd/achilleasdiamantis